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Freunde

 Freundschaften überwinden Grenzen:

Eveline Vorwerk und Regine Mazassek feierten im April 2002 ihr Wiedersehen nach 56 Jahren in Großharthau! 
 

In Großharthau entdeckten sie gemeinsam "Altes" in neuem Glanze!

 1946 - Ihre Wege sollten sich trennen

Eveline Vorwerk (geb. Roch), geboren am 17.04.1927, und Regine Mazassek (geb. Sobzak), geboren am 03.03.1927, waren bereits in ihrer Kindheit beste Freundinnen.  Sie wohnten beide mit ihren Familien in Großharthau im "Schäferhaus". Das Schäferhaus gehörte zum Anwesen des Rittergutes und befindet sich auch noch heute zwischen dem Friedhof und dem Jugendclub von Großharthau. Regine war die Tochter zweier Elternteile, die auf dem Rittergut tätig waren. Sie hatte noch acht weitere Geschwister und alle lebten zusammen im Schäferhaus in zwei Zimmern. Das Einkommen der Eltern war sehr spärlich, sodass sie sehr viel bei Evelyne war. Evelyne hatte nur einen Bruder und ihre Eltern waren ebenfalls berufstätig. Da sie nur einen Bruder hatte, war die finanzielle Situation etwas besser als bei Regine, dadurch fiel auch schon mal die ein oder andere "Bemme" für Regine ab.
Beide erlebten ihre Kindheit zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges. Da es im Schäferhaus weder elektrischen Strom noch fließendes Wasser gab, mussten die Mädchen mehrmals täglich zum Rittergut laufen und dort mit Kannen das Brunnenwasser nach Hause holen.  Zu dieser Zeit war nicht viel mit einer unbeschwerten Kindheit. Die Kinder in Großharthau hatten nicht viel Zeit zum Spielen, da sie ihren Eltern viel zur Hand gehen mussten. Doch in solchen Zeiten zählt eine richtige Freundschaft viel mehr als all die "Reichtümer" dieser Erde. Eine solche Freundschaft kristallisierte sich auch bei Regine und Evelyne heraus. Die Zeit des Krieges war hart und brachte auch viel Leid in die Familien der Mädchen. Nach dem Krieg war "die Welt" im Umbruch. Nachdem 1946 die Russische Armee das Rittergut niedergebrannt hatte waren die Arbeitsplätze der Eltern "im Rauch aufgegangen". Regine, damals stattliche 19 Jahre wollte hinaus in die Welt. Sie flüchtete 1946 in die ehemalige BRD (amerikanische Besatzungszone) und wurde in der Nähe von Frankfurt ansässig. Evelyne blieb in Großharthau und gehörte somit zur russischen Besatzungszone, zwischen ihnen die Mauer.
Die Trennungen in die amerikanische und sowjetische Besatzungszone stellte für sie eine überwindbare Hürde dar. Zwar durften sie sich zu Zeiten der BRD-DDR nicht besuchen, hielten aber trotz allem ihren Kontakt aufrecht.

Ein Klassenfoto der beiden, damals noch sehr jungen Frauen.

 2002 – Wiedersehen nach 56 Jahren

Eveline Vorwerk sollte am 17.04.2002 ihr 75. Geburtstagsjubiläum feiern. Was sie bis dahin nicht wusste, ihr Tochter hatte heimlich ohne vorherige Ankündigung ihre "alte Freundin" dazu eingeladen. Die gesamte Zeit von 1946 an hielten Regine und Evelyne  ihren Kontakt über Briefe aufrecht. Später in den Achtzigern, als auch das Telefon genutzt werden konnte, führte man viele Telefonate. Man kannte eigentlich nur noch den Menschen von früher und der Mauerbau riss Familien und Freundschaften einfach auseinander. Doch auch nach 56 Jahren hielten und halten Regine und Evelyne ihren Kontakt aufrecht. Umso größer war die Freude, als Evelyne ihre Freundin Regine nach so langer Zeit einen Tag vor ihren 75. Geburtstag wieder in den Arm nehmen durfte. Die Freude war bei beiden riesengroß und man hatte sich ja so viel zu erzählen. Auch wenn die Haare bei beiden schon grau geworden sind, die Herzen waren im Augenblick des Wiedersehens  wieder 18 Jahre jung. Beide heirateten früh und haben Kinder. Regine hat zwei Töchter und einen Sohn bekommen. Eine ihrer Töchter ist heute glücklich in Amerika verheiratet. Evelyne hat eine Tochter und einen Sohn. Beide tauschten viele Fotos aus und als Zuhörer konnte man viele interessante Dinge über das Leben vor und zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges erfahren. Nach einer schönen Geburtstagsfeier blieb Regine noch 8 Tage in Großharthau und schaute sich ihre alte Heimat an. Lobend und sehr überrascht nahm sie all die Dinge wahr, die sich in den letzten 56 Jahren hier entwickelt haben. Sie war besonders glücklich als sie sogar von  Einwohnern, welche sie noch von früher kannten angesprochen wurde. Mit einem sehr schönen Eindruck verlies sie Großharthau Ende April 2002 und versprach bald wieder zu kommen.