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Sagenschatz

aufgeschrieben von Friedrich Bernhard Störzner

Unser Buchtipp:

Sagen und Geschichten der Massenei
und umliegender Orte herausgegeben
von Gottfried Nitzsche im Oberlausitzer 
Verlag, Spitzkunnersdorf
ISBN 3 - 933827 - 25 - 6

Der Kapellenberg

Südlich der Masseney erhebt sich jenseits der Bahnstrecke Arnsdorf – Bischofswerda bei dem Dorf Schmiedefeld eine kahle Höhe, der Kapellenberg genannt. An ihrem nördlichen Abhange hin führt die Bautzner Landstraße. Wie nun die Sage wissen will, ruhen im Inneren des Kapellenberges riesige Schätze. In einem umfangreichen Gewölbe stehen große kupferne Bratpfannen, die mit Gold und Edelsteinen gefüllt sind. Von einem graubärtigen Männlein mit spitzem Hute werden jene Schätze bewacht. In Vollmondnächten ist aber der Kapellenberg geöffnet, und wer dann hier zur rechten Stunde vorüberkommt, der kann von den daselbst aufgespeicherten Schätzen nehmen, soviel sein Herz begehrt, nur darf er nicht ein Wort sprechen, was ihm auch begegne. Als noch die Postkutsche am Kapellenberg täglich vorüberfuhr, wurde ein Postillion von jenem grauen Männchen aufgefordert, ihm zu folgen. Er stieg ab und ging mit dem geheimnisvollen Männchen. Bald standen sie in jener großen Höhle, in der es funkelte und leuchtete. „Nun nimm dir, soviel du willst!“ sprach der kleine Führer. Das ließ sich der Postkutscher nicht zweimal sagen. Er füllte all seine Taschen mit dem funkelnden Golde. Dann griff er vor freudiger Erregung des Männchens eiskalte Hand und sprach: „Ich danke dir!“ Da, ein donnernder Krach! Das Gewölbe stürzte zusammen, und der Postillion fiel nieder. Bewusstlos lag er am Boden. Als er nach einer Weile wieder zu sich kam und sich erinnerte, was geschehen war, griff er nach seinen Taschen. Die waren wohl gefüllt, aber nur mit Laub und kleinen Steinen. Kopfschüttelnd bestieg er wieder den Kutschbock und fuhr betrübt von dannen. Das graue Männchen ist ihm nie wieder begegnet.
Das Gespenst am Seeligstädter Wegweiser

Wo der von Arnsdorf nach Seeligstadt führende Fahrweg von der böhmischen Glasstraße abzweigt, steht eine Steinsäule als Wegweiser. Nachts soll es hier umgehen. Ein gespenstischer Schatten huscht über den Weg. Es ächzt, es stöhnt. Auch ist es manchmal, als rufe jemand um Hilfe. Hier wurde in den 70iger Jahren des vorigen Jahrhunderts eines Morgens ein Mann tot aufgefunden. Er soll das Opfer eines Verbrechens gewesen sein. Wer der Unglückliche war, ist bis heute nicht ermittelt worden. Auf dem Arnsdorfer Gottesacker hat man ihn in aller Stille begraben. Sein Geist soll aber nachts noch umgehen und keine Ruhe finden.
Die Weiße Frau als Todesbotin

Zu manchen Zeiten erscheint in der Masseney dem einsamen Wanderer eine weiße Frau. Wer sie erblickt, der soll noch im selben Jahre sterben müssen. Einst waren aus Arnsdorf Eltern mit ihrem Kinde in der Masseney, um Holz herbeizuholen. Während Vater und Mutter mit dem Aufladen des Holzes beschäftigt waren, spielte das Kind am Wege mit aufgesammelten Tannenzapfen. Plötzlich ruft das Kind: „Vater guck! Dort am Wege steht eine weiße Frau!“ Der Vater schaute auf, auch die Mutter schaute nach der von dem Kinde angedeuteten Richtung, aber beide sehen nichts. „Du träumst wohl“ spricht der Vater. „Wir sehen nichts.“ Das Kind aber erwiederte: „Dort steht sie ja! Seht nur, wie sie mir winkt! Jetzt geht sie in den Busch!“ Die Eltern aber sahen wiederum nichts. Nach wenigen Wochen erkrankte das Mädchen und starb. Lange Zeit nach dem Tode ihres Kindes wurde ihnen die Sage erzählt. Jetzt erinnerten sie sich lebhaft jenes denkwürdigen Vorganges in der Masseney. 

bereitgestellt von Peggy Rosenkranz'
Die alte Bornmatzin 

Ganz gefährliche Geister sind die Aufhocker. Sie springen dir auf den Buckel, werden immer schwerer, bis sie endlich am Ende ihres Bannkreises von dir lassen. Und wem es auf dem Buckel sitzt, der kann nicht rufen, der kann sich nicht umdrehen. Und dann wird er gewöhnlich lange krank ... Im Masseneiwald, zwischen Großröhrsdorf, Seeligstadt und Schmiedefeld, ist es die Bornmatzin. Sie war eine böse Frau, wohnte in einem Hause am Seeligstädter Weg, der auch Stolpener Straße genannt wurde und machte allen, die mit ihr zu tun hatten, das Leben sauer. Auch nach ihrem Tode belästigte sie noch die Hausbewohner und Nachbarn. Da mußte der Dresdner Scharfrichter heran. Der warf von außen eiserne Ketten durch das offene Fenster des Hauses, und als sich die Bornmatzin darin verfangen hatte, schleppten vier starke Pferde sie hinaus in den Masseneiwald. Dort führt sie nun ihr gespenstisches Dasein als Aufhockergeist weiter.
'Drei Männer kamen einst von Seeligstadt und trugen große Hucken. Bald erreichten sie die Spukstelle, dort, wo die schönsten Himbeeren und Brombeeren der Gegend wuchsen. Als nun einer übermütig "Bornmatzin – huck auf!" in den Wald hineinrief, da sprang das riesige Weib auf seinen Buckel, gab ihm Ohrfeigen links und rechts und zerkratze ihn.

(Rat der Stadt Bischofswerda (Hg.): Von Straßenräubern und mutigen Weibern, 1987.)

Der Edelmann mit der schwarzen Halsschnur

In Harthau lebte vor Jahrhunderten ein adliger Gutsherr, der einst im Dienste des Landesfürsten gestanden und hohe Ehre genossen hatte. Die Gunst der Herrscher ist aber wandelbar, und der angesehene Höfling wurde gestürzt; ja, seine Feinde wußten ihm so schwere Vergehen anzulasten, daß der Fürst die Todesstrafe über ihn verhängte. Bald sollte er hingerichtet werden. Da starb der Fürst plötzlich, und seines Nachfolgers mildere Gesinnung brachte dem Verurteilten die Begnadigung. Er durfte im Lande und auch Herr über sein Vermögen bleiben, hatte sich aber einer seltsam wunderlichen Forderung zu unterwerfen. Damit er stets daran erinnert werde, daß er dem Richtschwert verfallen gewesen, mußte er für die ganze Dauer seines Lebens eine schwarze Schnur um den Hals geschlungen tragen und durfte dieses Zeichen der Unfreiheit niemals ablegen. Der unheimliche Halsschmuck verbarg sich unter dem Kragen, war so von anderen nicht zu sehen – und verschloß Tag und Nacht die für das Schwert bestimmt gewesene Stelle. Als der Adelige das Gut Harthau erkauft hatte, nahte sich dem Ort zuweilen eine gefürchtete Gestalt. Rot war das Wams des Fremden, finster und streng sein Blick. "Der Henker!" raunten die Vorübergehenden einander zu und blickten ihm nach mit Bangen, wenn er seine Schritte nach dem Edelhofe lenkte. Dort musste sich der Scharfrichter im Auftrag des Landesherren persönlich davon überzeugen, ob der begnadigte Adelige auch die schwarze Schnur um den Hals trug, und hatte den Befehl, ihn sofort zu töten, falls die Schnur sich nicht vorfand. Dem Henkersmann waren Schlüssel zu des Gutsherren Hof, Haus und Schlafgemach ausgeliefert. Und daher erschien er auch des Nachts unerwartet und plötzlich vor seinem Bett. Und wenn der Schein der Laterne dem Ruhenden ins Antlitz fuhr, dann öffnete dieser seufzend die Augenlider und entblößte in gewohnter Weise den Hals von den Linnen, um zu zeigen, dass er des Fürsten Gebot nicht übertrat.

(Rat der Stadt Bischofswerda (Hg.): Von Straßenräubern und mutigen Weibern, 1987.)
bereitgestellt von Peggy Rosenkranz

Schlangenplage im Großharthauer Schloß

Eine alte Zigeunerin sprach einen der Schloßherren von Großharthau um eine Gabe an. Der aber schlug der Bettlerin mit der Reitpeitsche ins Gesicht und ließ sie anschließend durch seine Hundemeute vom Hofe treiben. Vor Schmerz und Hast brach die Frau vor dem Tore zusammen. Schließlich raffte sie sich auf und sprach einen schweren Fluch aus:
 

"Du sollst geplagt werden bis an dein Lebensende, und keiner wird dir helfen können!"
Bereits am folgenden Morgen ging der Fluch in Erfüllung. Im Schlosse wimmelte es von Schlangen. Keiner konnte ihrer Herr werden. Als der Schloßherr starb, umkrochen die Tiere sogar die Leiche und störten die Trauerfeier.
Nach vielen Jahren erbot sich ein Jägerbursche, die Plage zu beseitigen. Dafür möge ihn der Schloßherr als Jäger einstellen. Mit Freuden sagte dieser zu. Da bannte der Jäger das Ungeziefer in die Massenei.

(Dietrich Kühn (Hg.): Sagen und Legenden aus Sachsen. Wartburg Verlag, Weimar und Jena, 1994, ISBN 3-896160-089-7)