Großharthau will selbstständig bleiben
5/11/10
Quelle: Sächsische Zeitung Lokalausgabe Bischofswerda
Von Constanze Knappe
Von einer Fusion mit Bischofswerda oder umliegenden Gemeinden, und sei sie durch eine noch so große finanzielle Mitgift auch verlockend, will man in Großharthau nichts wissen. „Es gibt genügend Beispiele, wo übereilter Aktionismus die Bürger verschreckt hat“, sagt Bürgermeister Jens Krauße. Ob Bischofswerda für eine Fusion erste Wahl ist, blieb bei einem von der CDU-Ortsgruppe jetzt veranstalteten Bürgerforum offen. „Unser großes Ziel ist die Selbstständigkeit, wir halten uns aber durch Fairness alle Türen offen“, erklärt Gemeinderat Andreas Ehrentraut (CDU). „Probleme auf dem Lande, wie der fehlende schnelle Internetzugang, werden nicht durch Zusammenschluss mit irgendjemandem gelöst“, so René Metzner. Großharthau setzt auf Eigenständigkeit für die nächsten Jahre. Man habe eine Menge investiert in Straßenbau, Kindereinrichtungen, Abwasser und deshalb in der eigenen Gemeinde keinen Investitionsstau. Man leiste sich keinen Luxus, wie ein Freibad, höchstens den Park, aber der koste vergleichsweise wenig Geld. Seit sechs Jahren hat die Gemeinde keinen neuen Kredit aufgenommen. Der Schuldenstand beträgt 2,2 Millionen Euro. „Bei uns sind die Schulden aus dem Abwasserbau drin, andere Kommunen haben das in Eigenbetriebe ausgelagert“, sagt Jens Krauße. Stolz ist Großharthau auf ihre Rücklage von 900000 Euro. Das sei ihr Sparbuch, um auch später noch investieren zu können. Eine durch eine „Heiratsprämie“ des Freistaats veredelte Fusion spüle zwar Geld in die Kassen, aber nur vorübergehend, denn insgesamt gebe es für die Kommunen ja nicht mehr Geld, und die Aufgaben würden trotz Fusion nicht geringer.
Alle Türen offenhalten
Abgegeben hat Großharthau Meldestelle und Standesamt nach Bischofswerda. Für diese Aufgaben müsse man jederzeit Personal und Technik vorhalten, was die Möglichkeiten einer kleinen Gemeinde übersteigt. Es sei sinnvoll, sich zu spezialisieren. „Vorstellbar wäre, dass man bestimmte Aufgaben aus Kämmerei oder Bauverwaltung, die von allen Kommunen zu bewältigen sind, in einem kommunalen Selbstverwaltungszentrum zusammenfasst“, schlägt Gemeinderat Ilko Keßler (SPD) vor. So könnten die übrigen Entscheidungsbefugnisse bürgernah vor Ort bleiben.
Als Partner für eine Fusion kämen die Nachbarn Bischofswerda, Großröhrsdorf, Arnsdorf und Stolpen infrage. Jens Krauße sieht nur drei wirkliche Optionen: Bischofswerda, Arnsdorf oder Rammenau und Frankenthal. Der enge Kontakt zu Arnsdorf sei kein Geheimnis, auch mit Bischofswerda werde man im Gespräch bleiben. Die Gemeinderäte von Großharthau und Frankenthal gehen dazu in Klausur. Für Entscheidungen brauche man jedoch die Meinung der Bürger.